Danke, Mum!

Nicht nur heute, sondern jeden Tag bin ich froh und dankbar, dass du mich gemacht hast. Ich bin dankbar, dass du an mich geglaubt hast, ab dem ersten Moment, als du mich bewusst wahrgenommen hast. Ich weiß, wir hatten keinen einfachen Start. Du warst unentspannt gespannten Situationen ausgeliefert. Vielleicht haben du und ich diese Lebenserfahrung gebraucht. Wir haben überlebt, auch wenn die Beziehungen im Außen alles andere als herzlich und freudvoll waren und dein Körper mitgenommen war von der vielen Arbeit am Bauernhof. Du hast an mich geglaubt und auch an dich. Ohne wenn und aber. Ohne Kompromisse. Ohne die endlose Fragerei nach dem Warum. Das nenne ich wahre Stärke! Du bist für mich eingestanden, als ich weder bewusst denken, noch atmen oder sprechen konnte. Deswegen hast du deine Stimme für mich laut gemacht. Danke, dass du mich gemacht hast und danke, dass du mich gewollt hast. Unter allem Umständen.

Wenn ich an dich denke, Mum, dann dehnt sich stets ein breites Lächeln auf meinem Gesicht aus. Rund um mein Herz wird es ganz warm. Ich konnte dich immer, wirklich immer, alles fragen. Alles! Auch als mir die Fragen peinlich wurden und meine Wangen rot, weil ich mich für den ganzen Sexkram zu interessieren begann mit 12-13 Jahren. Ich durfte dich auch ein bisschen hassen, als ich mich geistig immer wieder ausgehebelt habe zwischen 16 und 20 Jahren. Deine Geduld hast du bewahrt. Wie? Das kann ich wirklich nicht nachvollziehen. Wirklich leicht habe ich es dir nicht immer gemacht. Zugleich muss gesagt werden, dass wir schon immer eine gute Kombination waren. Wenns drauf ankam und das ist auch heute noch so, sind wir schon ein ziemlich ausgefuchstes Team. Die Handgriffe sitzen, jeder weiß wo die Andere grade Unterstützung braucht, um keinen schlagfertigen Wortwitz verlegen, gesellig, humorvoll, singfreudig, empathisch, verständnisvoll. Die Papalatur rennt! Die Kärntner Version der Gilmore Girls würde meine liebste Nichte, deine Enkelin, Sabrina jetzt sagen. 🙂

Du hattest immer viel um die Ohren: Hast gearbeitet und drauf geschaut, dass ich gute Bildung genießen kann, warme Kleidung und jeden Tag ein volles Bäuchlein habe. Manchmal, da machte es mich traurig, wenn ich dich mit hängendem Köpfchen da sitzen sah. Fast ein bisschen Opferzentriert. Aber so ist das manchmal mit den Herausforderungen im Leben: Mal fühlen wir uns stark, dann wieder kommt die Verzweiflung mit der Frage „Wie geht’s jetzt bloß weiter?“ hoch. Sieben Tage die Woche zu arbeiten – sechs davon im Job, am Sonntag für die Familie – ist kein leichter Weg. Aber du bist ihn u.a. für mich gegangen. Ohne Kompromisse. Ohne dich zu beschweren. Du bist Löwin und verletzliches Rehkitz; eine starke Frau mit Elefantenhaut und zugleich bist du eleganter Steinadler, der mit breitem Flügelschlag nicht nur seine vier Kinder stets beschützt, sondern auch zu wahren Höhenflügen angesetzt und so seine Kinder inspiriert hat!

Es gab ganz schön viele Schockmomente mit mir: Als ich mit zu schwach ausgebildeter Hüfte auf die Welt kam zum Beispiel und du mich – stundenlang hysterisch kreischend – in einen Spreitzgurt hinein malträtieren musstest. Das hat dir selbst im Brustkorb mindestens genau so viel Schmerz bereitet, wie mir an der Hüfte. Als ich zwei Mal fast erstickt wäre – ein Mal beim Salami essen, ein Mal beim Semmelbröseln essen (Verdammt, wie ich Panier geliebt habe!). Du hast mich ohne zögern Kopfüber gestellt bzw. übers Knie gelegt und mich durch klopfen und schütteln wieder zum Atmen bewogen. Oder als ich mit meinem rosa Kinderfahrrad (fancy gelber Entensticker am Frontlenker inklusive) einem meiner großen Brüder den frisch asphaltierten Berg hinunter nachgerast bin und leider unfreiwillig Bremsspuren mit meinem Gesicht im eben erst getrockneten, tiefschwarzen Asphalt hinterlassen habe. Ja, Schockmomente hattest du viele mit mir. Aber du betonst auch heute noch, dass Kinder in die Welt zu setzen das Schönste und Wichtigste auf der Welt für dich war. Und, dass du keine Sekunde mit mir; mit uns Vieren missen möchtest.

Ich schaue zu dir auf!

Ich bin stolz darauf, welche Lebenswerke du auf die Beine gestellt hast: Vier Kinder, drei Mal Hausbau, Beziehungen, die dich, mich und uns alle zur Weiterentwicklung angeleitet haben. Den Mut eine Ehe einzugehen und den noch größeren Löwenmut, diese wieder aufzugeben, bevor sie dich und Papa wohl zu Grunde gerichtet hätte. Dafür verdienst du meinen Respekt! Denn sich aus einer pathologischen Beziehung zu lösen, braucht Kraft, Selbstliebe, aber auch den letzten Funken an Liebe für den Anderen. Jobs, die dich nicht glücklich, aber zumindest Vermieter und Darlehensgeber ruhig gestellt und uns warmes Essen beschert haben. Du hast viel ausgehalten, damit wir es gut haben. Danke dafür! Ich hab‘ oft gesagt, dass du viel für mich geopfert hast. Du hast immer geantwortet, dass du 100 Mal mehr zurückbekommen hast, einfach weil es mich gibt. Es braucht ein hohes Bewusstsein, um das Leben so positiv sehen zu können. Ums Geld hast du dir nie Sorgen gemacht; unsere Gesundheit und der Familiensinn standen und stehen noch heute für dich an erster Stelle. Du bist ganz schön weise. Ich hoffe du weißt was!

Du bist die Frau, die mich in sich getragen hat

Ich habe deinen Herzschlag gehört und noch heute höre ich ihn oft vorm Einschlafen. Das beruhigendste Geräusch auf der Welt! Dein Herz lässt mich ruhig werden. Es gibt mir Sicherheit, Frieden, Zuversicht, dass alles genau so passiert, wie es für uns richtig ist. Dein Herz erdet mich noch heute. Ich bin ein Teil von dir. Du bist ein Teil von mir. Das wird immer so bleiben. Egal was kommt. Dein Herz hatte manchmal Angst, was sich auch auf meines ausgewirkt hat. Ein andermal schlug deines schneller vor Freude; wie auch meines. Und am Tag meiner Geburt, da bin ich sicher, blieb es für eine Millisekunde stehen. Du hast mir gesagt: „Einem Menschen das Leben zu schenken, ist das größte Geschenk, dass es gibt auf der Welt.“ Es ist schön, dass du das so siehst. Egal was kommt, ich bin für dich da. Deine Liebe tut gut. Alles Liebe zum Muttertag. Heute und jeden Tag; jeden Atemzug!

Du bist unglaublich!

Danke für dich!

Danke, Mum!

Ich liebe dich!

Foto by the incredible Christine Kostner

2 thoughts

  1. Hallo meine liebe Heidi!

    Wir sind heute erst spät nach Hause gekommen, es war ein wunderschöner Muttertag, aber wir haben dich schon schwer vermisst, aber du kannst dich ja nicht teilen und mach dir keine Sorgen! Ich bin so gerührt, wie schön, liebevoll und herzlich du von mir schreibst, du bist schon ein ganz besonderer Mensch mit einer Ausstrahlung wie ein Engel! Ich bin auch sehr froh, dich zu haben und bin dankbar für die vielen vertrauten Gespräche,mit lachen, weinen, blödeln, aber auch ernstes ausdiskutieren…….. Auch festes anpacken und helfen bei verschiedenen Arbeiten, ob beim Umbau oder bei Familienfeiern udgl…..

    Ich kann dir nur sagen, es ist das schönste Geschenk, Kindern das Leben zu schenken, die Zeit zu genießen, dankbar sein wenn sie gesund sind und sich zu Persönlichkeiten entwickeln, wie meine es sind, ich bin sehr stolz, wenn ich auch nicht alles richtig gemacht hab, aber ich habe vieles richtig gemacht!

    Liebe Heidi, du brauchst dir keine Gedanken oder Sorgen machen, du wirst eine gute, fürsorgliche Mutter zu deinen Kindern sein!:-)

    Liebe Grüsse und Bussalan von deinem Mamalan

    Gefällt 1 Person

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