Hol den Wein. Wir müssen über Gefühle reden.

Foto by the incredible Christine Kostner Photographie

Alkohol. Nicht nur die gesellschaftlich akzeptierteste Droge, sondern auch attraktiver Weichmacher, Sorgenvergesser, das-Leben-bunter-Macher und Zungenknotenlöser; macht Gevatter Hochprozentig in Windeseile tief vergrabene Geheimnisse sicht- und hörbar. Ich gestehe: Bei all der super-schlauen Reflektier- und Hirnwixerei die letzten Jahre, bis  zum völlig extatisch-leidvollen brain-coitus, gelingt es mir noch immer nicht 100% offen zu sein in partnerschaftlichen Konfliktsituationen.

Muss denn das immer so schwierig sein? Muss ich immer in eine Opferhaltung verfallen? Möchte ich ein verschnupft-bitchiges Biest sein, dass sich ständig unverstanden fühlt, die Worte des Partners im Munde verdreht und Gesagtes stets mit Augenrollen kommentiert? In Momenten wie diesem bin ich angelangt. Angelangt bei der billigen Kopie, von der ich tagsüber stolz behaupte, sie schon lange nicht mehr darzustellen. Damned! Die alten Muster greifen. Ich behaupte nicht, dass das immer passiert. Meine Partnerschaft ist harmonisch, very entertaining, sehr befriedigend auf allen Ebenen. Wenn nicht 2 – 3 x pro Jahr die Sicherungen in der nordischen Schaltzentrale meines Körpers durchbrennen würden.

Warum ist die Mann-Frau Kommunikation immer wieder herausfordernd?

Meine Theorie: Der Sex ist schuld! Wie eh an allem! 🙂 Ein paar Männer fallen mir ad hoc ein, mit denen es große Freude macht, nächtelang zu philosophieren, offen, ehrlich zu diskutieren; mich verletzlich zu zeigen, mich ohne Hemmungen zu öffnen, meine Vorstellungen von einem guten Leben zu teilen, von Partnerschaft, einem guten Leben, Umweltschutz, Selbstoptimierung, Erfolg, Trump, Kurzhaarfrisuren, die Asylpolitik, Sugaring und sonstige weltbewegende Themen. Kaum sind aber Hemd und Höschen offen between the sheets mit meinem eigenen Partner, gelingt das nachgelagerte Gespräch kaum und noch weniger. Blickkontakt bei heiklen Themen – schier unmöglich. Einfache deutsche Sätze sprechen, die das Gefühlte begreiflich machten . Pfffff! Fehlanzeige! Zum verrückt werden ist das!

Interessantes Phänomen: Wenn er, ich oder wir Beide beschwippst sind, gleiten die eigentlich wichtigen Themen, die sonst im Alltag wie unsichtbare Elefanten mit dem Kopf abwärts, den scheiß Rüssel tief in die Nudelsuppenschüssel tränkend, vom Esszimmer Lampenschirm hängend und uns den schleimigen Nudelsuppensud, der in diesem Sinnbild unsere Beziehungsthemen darstellt, förmlich unter die Nase rotzt (vgl. Benjamin Blümchen Törööööt) ungefiltert aus uns heraus. Alter! Und wie die schlüpfrigen Themen uns aus den Mündern gleiten. Überhaupt pikant ist es, wenn wir in Anwesenheit von Besuch eine Abwertung nach der nächsten über die Kardinalschnitte am Esstisch hinweg ins Maul des Anderen servieren, während wir uns unterm Tisch kräftig gegenseitig ans Bein pinkeln. Da geht das unglaublich leicht, mit reichlich Funkenflug, der eigentlich nicht dem Partner gilt, sondern der Wut über die Zurückhaltung der eigenen Gefühle und Gedanken. Tja, muss man  wohl aushalten. Das alles passiert mit einem Lächeln und überlegenen Blicken Richtung Besuch. Das Lächeln ist in solchen Fällen echt nicht lieb gemeint ist, sondern viel mehr voller fuck ofs, fuck ofs, fuck ofs, während sich die Kardinalschnitte durch die Lücken der gefletschten Zähne mit vollem Druck durchschiebt gen Norden; gradwegs bergauf Richtung vor Zorn flatternder Nüstern.

Muss der Mann immer böse sein?

Ja! Warum? Weil das mein Muster ist! Ich hab‘ das ja klugscheißerischer Weise schon seit Jahren entschlüsselt und oft mit meinem Partner drüber gesprochen. Ist das so korrekt? Nein! Auch, dass ich all‘ seine Liebe und Unterstützung brauche, um dieses böse Männerbild zu überwinden – auch korrekt. Es war nur leider das eines der wenigen zwischenmenschlichen Beziehungsgestaltungsmuster, dass ich die ersten 7 Lebensjahre gesehen hab und akribisch feinstofflich gespeichert, bis es Teil meines Weltbildes wurde. Wozu? Gute Frage. Nächste Frage. Um das verzweifelte Bedürfnis nach Liebe, Schutz, Geborgenheit zu stillen. Erfolgsquote? 0. Alternativen? Lange Zeit keine. Heutige Strategie? Möglichst oft – nein IMMER – offen und ehrlich kommunizieren; das Herz offen lassen. Die ausschließliche Zuschreibung von Boshaftigkeit an meinen Partner, war nie meine Realität. Die von anderen vielleicht. Mit Schrecken stelle ich das zu oft fest: So viele Annahmen über mich selbst und die Welt haben und hatten nie etwas mit mir zu tun! Wessen Realität leb(t)e ich also? Wessen Leben lebe ich also, wenn nicht meines?

Schatz, hol den Wein! Wir müssen über Gefühle reden.

Ehrlich Kinder! Das muss doch auch ohne Alkohol oder sonstige bewusstseinserweiternde oder Hemmschwellen herabsetzende Substanzen möglich sein!! Ich hätte gern öfter einen Mutanfall und nehme mir vor, in Konfliktsituationen, die ganz besondere Achtsamkeit, (Selbst-)Liebe und Ehrlichkeit verlangen, tief durchzuatmen und mich laut zu fragen – bestenfalls vor meinem Partner, damit er weiß, was ich vorhabe und nicht denkt, ich hätte einen Schlaganfall ob der zahlreichen zurückgehaltenen Gedanken und Emotionen: „Was möchtest du eigentlich sagen?“  Ja! That’s the master plan!

Status quo? Ausflippen!

Kennst du, oder? Der Moment wenn Beide in Rage sind, einer von beiden heult (also ich) und Beide nur noch ihren krankmachenden Mustern folgen, nicht aufhören sich zu verletzen, 20 Du-Botschaften um die Ohren zu salzen. Ich sag’s dennoch offen und ehrlich heraus: Ich liebe Beziehungen! Egal ob Liebesbeziehugnen, freundschaftlich oder kollegial. Menschen brauchen Menschen. Denn diese Momente zeigen, dass ich den wirklichen wichtigen Dingen ganz nahe bin. Sonst wäre da ja nicht so arg viel Emotion. Schreien ist ein Zeichen für Überforderung. Meist hat er, ich oder wir ins Schwarze getroffen womit wir uns Erdbeben artig zum Umdenken zwingen. Richtiger Weg!

Was leiten wir daraus ab?

Weiter streiten. Nein, kommunizieren. Je ehrlicher, je besser. Weniger trinken. Gar nix trinken. Eines Tages wird aus dem Streiten ein diskutieren. Und wieder weiter in der Zukunft ein ehrliches Ansprechen der jeweils eigenen Bedürfnisse. Nicht der Partner erzeugt die Emotion in mir. Ich selbst bin das! Nicht mein Partner ist verantwortlich für mein Lebensglück. Ich selbst bin das!! Es ist nur augenscheinlich bequemer ihm diesen lebensnotwendigen eigenen Weiterentwicklungsprozess in den Kompetenzbereich des Partners zu verschieben. Tja, nix da! Ich selbst stülpte ihm meine Realität, an der ich seit 32 Jahren voller Inbrunst feile, über. Nicht er ist das Problem. Ich habe das Problem. Das alles wo es kein Problem gäbe, würde ich in diesen hitzigen Beziehungsmomenten nicht meinem Suchtverhalten nach Leiden, auch – oder grade – in Beziehungskonfrontationen folgen. In einem hochqualitativen Magazin (Werbefinanzierte Frauen-/Lifestyle-Zeitschrift) hab‘ ich mal gelesen, dass es in einer Liebesbeziehung weniger darum geht, die Fehler des anderen aufzuzeigen, ihn/ sie so zu verbiegen, wie man es gerade braucht, die ewige Ich-hab-Recht-du-hast-Unrecht-Diskussion zu führen; sondern darum, wie sehr man bereit ist, die Entwicklung des Partners/ der Partnerin mitzumachen. Sprich: Wie groß die Liebe ist, die Macken, Auszucker und derben Entwicklungsrückschläge zu begleiten. Begleiten finde ich ein gutes Stichwort. Denn den Weg des Partners/ der Partnerin kann man ja wohl kaum für ihn/ sie gehen. Begleiten hat was liebevolleres, fürsorglicheres. Das Leben ist komplex, aber im Grunde einfach. Kompliziert machen es erst wir Menschen mit diesen Realitäten und verschiedenen Annahmen.

Mission Liebe und Verständnis

Ich will mich nicht mehr verteidigen müssen, wenn mir mein Partner seine Wahrnehmung erzählt. Ich will auch nicht, dass er sich verteidigen muss, weil ich ihm das Gefühl gebe ein Depp zu sein, wenn er sagt, was ihn stört. Ich will kein trotziges Kleinkind sein, dessem Selbstkonzept innerlich aufbraust und ein törichtes „Ha, ich hab’s dir ja gleich gesagt. Du bist und bleibst der Böse!“ Ich lasse mein Selbstkonzept neue Erfahrungen machen! Ja! Zumindest tue ich hier den nächsten Schritt und schreibe mein commitment nieder. Ich möchte Weichheit und VERLETZLICHKEIT einbringen, statt der bisherigen Härte und Erbostheit. Und meine Zachalan nicht länger wegdrücken, obwohl die vielen Stresshormone im Hals und Brustkorb bereits seit Tagen für unbeschreibliche Schmerzen sorgen. Es ist mein Widerstand, der schmerzt. Nicht die 100.000 fiktiven Kopfkino-Horroszenarien SEINER Reaktion auf MEIN Gesagtes; mein Gefühltes! Denn diese Reaktion ist in 100% der Fälle meiner bisherigen Erfahrung anders, als gedacht. Und immer richtig. DAS macht mir Angst, entzieht aber der Realität einfach zu geschehen. Mit voller Offenheit und Verletzlichkeit. Mich wirklich so blank zu zeigen; davor fürchte ich mich noch zu oft. Wer weiß, vielleicht bald nicht mehr. Exakt das ist die Haltung, die den Weinkorken künftig in der Flasche halten und die wirklich wirklich wichtigen Beziehungsthemen zwischen uns fließen lassen wird!

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